"Handeln - Auf die Wahrheit losgehen" - Otto Pankok und das Junge Rheinland

Kategorie: Veranstaltung

Dauer: bis Ende November 2016

Ort: Otto Pankok Museum Hünxe

 

„EINS TUT UNS NOT: JUGEND, JUGEND UND JUGEND! Mag sie sich wild gebärden …“ Darin sieht Otto Pankok schon Anfang 1919 den einzigen Weg, Düsseldorf als „Ort der Reaktion und Stagnation“ zu beleben und moderner Kunst zum Durchbruch zu verhelfen. Am Ende dieses Jahres, das er mit Künstlerfreunden im ostfriesischen Remels verbringt, zieht Pankok mit Gerd Wollheim und Hermann Hundt nach Düsseldorf. Auf dem Lande haben sie schreckliche Fronterfahrungen aus dem Weltkrieg zu verarbeiten gesucht und expressionistische, kubistische und dadaistische Ausdrucksmittel erprobt. Nun sehen sie die Chance, sich an Initiativen zu beteiligen, die in der alten Residenzstadt das bürgerliche Kultur-Establishment herausfordern.

Im linksorientierten AKTIVISTENBUND 1919 werden Otto Pankok und der umtriebige Gerd Wollheim schon bald zu den Hauptgestaltern dreier programmatischer „Bücher“, die – teils Graphikmappe, teils Zeitschrift – im Jahr 1920 erscheinen. Zu den Mitgliedern zählen bald auch Conrad Felixmüller, Jankel Adler und Gerd Arntz. Bereits im Februar 1919 hat sich unter der Leitung von Arthur Kaufmann und Adolf Uzarski in Düsseldorf eine zweite Künstler-Vereinigung gegründet, DAS JUNGE RHEINLAND, das mit hochkarätigen Ausstellungen weit über das Rheinland hinaus die zeitgenössische Moderne in die Öffentlichkeit tragen wird. Als Bindeglied und vorbehaltlose Förderin betätigt sich jene Johanna Ey, die ihre Kaffeestube zu einer Kunsthandlung erweitert hat, unter NEUE KUNST FRAU EY firmiert und ihre Räume als Geschäftsstelle des Jungen Rheinlands zur Verfügung stellt.


Otto Dix zieht aus Dresden zu, Max Ernst kommt regelmäßig aus Köln. Zwei weitere Zeitschriften werden ins Leben gerufen: Das Ey und Das Junge Rheinland, an denen Wollheim und Pankok maßgeblich mitwirken. Diese drei räumlich-organisatorischen Fixpunkte sollten eine nachhaltige Wirkung haben und der kulturellen Moderne im Rheinland mit zum Durchbruch verhelfen.


Otto Pankok favorisiert die Radierung, daneben entstehen u.a. Holzschnitte, aber auch Kohlezeichnungen. Er gestaltet – in Auseinandersetzung mit der turbulenten Nachkriegszeit und in thematischer Korrespondenz mit Künstlerfreunden – in dezidiert expressionistischer Manier mancherlei Großstadtmotive. Zugleich spiegeln seine Tagebücher wider, dass er sich intensiv mit den führenden Vertretern der zeitgenössischen europäischen Moderne auseinandersetzt. Und dass er immer wieder mit innerer Distanz die Düsseldorfer Szenerie reflektiert und um eine eigene, authentische Ausrichtung ringt. „HANDELN, AUF DIE WAHRHEIT LOSGEHEN. Und ob das schön ist? – Was soll uns das?“, schreibt er im April 1922 in der Zeitschrift Das Junge Rheinland …

Wir freuen uns auf Sie!

 

 

Straßenecke, 1921

Der Conferencier, 1923

Tatowierte Dame, 1923