Digitalisierung der Tagebücher von Otto Pankok

Kategorie: Aktuelles

Die Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ermöglicht die digitale Erfassung des Nachlasses.

Das Otto Pankok Museum verfügt neben dem künstlerischen Werk Otto Pankoks über einen Sammlungsbestand von rund 49.500 Dokumente in Form von Tagebüchern, Briefen, Notizen, Manuskripten bis hin zu Zeitungsdokumenten und Fotomaterial. Mit Hilfe der Zuwendung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung kann ein wesentlicher Teil dieses Nachlasses zurzeit professionell digitalisiert und erfasst werden. 

Otto Pankoks schriftlicher Nachlass gibt einzigartige, private Einblicke in seine Zeit. Seine Schriften – und darunter die Tagebücher als Primärquelle – skizzieren selbstkritisch Pankoks künstlerische Haltung und die Auseinandersetzung mit seiner Epoche. Die Digitalisierung der zwölf Tagebücher wurde gerade erfolgreich abgeschlossen und kann zu Forschungszwecken angefragt werden. Es handelt sich hier um zeithistorisch sehr wertvolle, persönliche Dokumente, in denen sich Pankok zu künstlerischen Vorbildern und Zeitgenossen äußert, wie sein Gedicht an Rosa Luxemburg:

„Ich winde Dir blühende Rosen
Um deine zerschossene Schläfe 
Und Lenzlilien
Um Deine blutende Kehle
Mit Flieder bedecke ich deine zerfetze Brust
Kleine zarte Veilchen
Will ich streuen in dein Haar
Will deine starren Hände decken
Mit meinen Küssen

Gemartert, zerrissen, tot
Du Nicht-Ich, du Fremde mir
Du, mir doch so nah
Und tief verwandt
Reich ich dir
Über den Tod meine Hand.“ 

(Otto Pankok 1919/20)

Viele seiner Gedanken sind zutiefst expressionistisch geprägt und Zeugnisse einer (ein)-dringlichen Befragung und Daseinsvergewisserung. Hinzu kommen Tagebuchseiten mit Tierskizzen, Entwürfen oder ganz Alltäglichem, u.a. eine Collage aus Eintrittskarten. In der Gesamtschau spiegeln die Tagebücher das Leben Otto Pankoks als einen kritischen und selbstreflektierenden Menschenfreund wider. 

Der Erhaltungszustand der Tagebücher, da Pankok auf unterschiedlichsten und nicht immer alterungsbeständigen Papieren gearbeitet hat, ist stellenweise prekär. Eine Restaurierung des Teilbestandes kann ebenfalls durch die finanzielle Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ermöglicht werden. Doch allein die Digitalisierung schon schont die Originale und ermöglicht zeitgleich den Zugriff auf den Nachlass für Forschungsvorhaben und Publikationsanfragen. Eine kleine Auswahl der inzwischen digitalisierten Werke aus dem „Kosmos“ Otto Pankoks wird demnächst auf der Website der Otto Pankok Stiftung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine Veröffentlichung aller Tagebücher in Buchform ist geplant. 

Katja Szymczak